In Österreich leben derzeit rund 2,3 Millionen RaucherInnen – 1,1 Millionen Raucherinnen und 1,2 Millionen Raucher. Mit ca. 37 Prozent Raucheranteil ist Österreich im europäischen Vergleich ein führendes Raucherland, dessen Umgang mit der Raucherproblematik nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte darstellt. Während Länder wie Irland, Italien und zuletzt auch die Türkei bedingungslose Anti-Rauchgesetze implementiert haben, findet man in Österreich nur zahnlose Kompromisslösungen zwischen Wirtschaft und Politik. Sowohl hinsichtlich Gesetzgebung zum Nichtraucherschutz als auch in der Prävention und Aufklärung ist Österreich im EU-Vergleich Schlusslicht. Ein aus ärztlicher Sicht befriedigender Nichtraucherschutz ist bis heute nicht gefunden.
Neben mangelndem Schutz durch das Gesetz, sehen Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) vor allem auch persönliche Risikofaktoren, die Menschen zu Rauchern werden lassen. Die erste Zigarette wird durchschnittlich im Alter von 11 Jahren angezündet. Bei den 15-Jährigen ist das Rauchen für jeden Vierten ein fixer Lebensbestandteil, die Raucherzahlen der 16- und 17-jährigen Jugendlichen übertreffen sogar jene der Erwachsenen1. Rauchen gilt als cool und chic und man tut es, weil es alle tun. Speziell Mädchen rauchen in Österreich immer öfter und früher. Freunde aber auch Eltern und Lehrer stellen zusätzlich ein schlechtes Vorbild dar und mindern den Ernst der Sache. Aus anfänglichem „Dazugehören“ und „Cool-Sein“ entwickelt sich schnell eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit.
Professionelle Unterstützung in der Raucherentwöhnung
Rund 70 Prozent der österreichischen Raucher sind dissonante Raucher. Sie wollen entweder ganz aufhören oder den Tabakkonsum zumindest reduzieren, können aber nicht oder haben Angst davor, zu scheitern. Die anfängliche Rauchgewohnheit endet in der Sucht, eine freie Entscheidung ist meist nicht mehr möglich. Neben einem starken Willen und der Eigenmotivation kann hier vor allem eine professionelle ärztliche Begleitung und Unterstützung für eine effektive und erfolgreiche Raucherentwöhnung entscheidend sein. Dabei muss sowohl die körperliche als auch seelische Komponente einbezogen werden. „Ohne Hilfe scheitern rund 80 Prozent der Raucher innerhalb eines Jahres mit dem Versuch, sich das Rauchen abzugewöhnen. Die Zigarettensucht ist ebenso stark wie die Heroinsucht“, so Prof. Olschewski, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Neben ärztlicher Betreuung und Unterstützung trägt auch eine begleitende medikamentöse Therapie maßgeblich dazu bei, die Erfolgsquote der Raucherentwöhnung zu erhöhen und die Lebensqualität und die Gesundheit des Einzelnen und seines Umfeldes zu verbessern.
Der Arbeitskreis „Tabakprävention und Raucherentwöhnung“ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie bietet Allgemeinmedizinern und Fachärzten im Rahmen eines Diplom-Fortbildungsprogrammes Ausbildungen zur Raucherberatung und -entwöhnung an. In Österreich praktizieren rund 350 Ärzte mit Zertifikat für Raucherberatung.
Rauchen ist eine Krankheit
Die Kosten für eine ärztliche Raucherberatung und medikamentöse Therapie sehen viele Raucher als eine große finanzielle Hürde. Aktuell wird die ärztliche Raucherberatung und -entwöhnung von den österreichischen Krankenkassen nicht refundiert. Einzige Ausnahme stellen dabei die Fachärzte für Lungenkrankheiten in Wien dar. Die Begründung der Nichterstattung ist im Erstattungskodex des allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes zu finden. Dieser besagt, dass jene Maßnahmen in den Kodex aufzunehmen sind, die eine Krankenbehandlung annehmen lassen. Das Rauchen (Nikotinabusus, Nikotinabhängigkeit und Nikotinentzug) wird von der österreichischen Sozialversicherung nicht als behandlungswürdige Krankheit, die Raucherberatung und -entwöhnung nicht als Maßnahme der Krankenbehandlung betrachtet. Österreichs Pulmologen teilen diesen Standpunkt nicht. Aus medizinischer Sicht ist Rauchen eine Krankheit, weil es nicht gesund sein kann, dass man sofort nach dem Aufwachen an die erste Zigarette denkt, dass man sich an rauchfreien Orten unwohl und panisch fühlt, dass man ohne Verschnaufpause den ersten Stock nicht erreichet oder dass man trotz Erkältung und Grippe nicht auf das Rauchen verzichten kann.
Diesen Standpunkt teilt auch die oberste internationale Gesundheitsbehörde: Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Abhängigkeit – und somit auch die Nikotinabhängigkeit – dann als Krankheit einzustufen, wenn diese das Leben der betroffenen Person negativ beeinträchtigt. Die WHO definiert das Rauchen somit ganz klar als Krankheit und signalisiert die Ernsthaftigkeit des Problems mit einer ICD-Codierung der Nikotinabhängigkeit, einem internationalen Klassifizierungscode für Krankheiten. Auch für die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie ist Rauchen keineswegs eine Lifestylefrage sondern vielmehr eine behandlungswürdige Krankheit, noch dazu mit gravierenden Folgen. Laut WHO ist Rauchen eine der bisher größten, tödlichen Epidemien der Menschheit. Im 20. Jahrhundert erlagen rund 100 Millionen Menschen den Folgen der Krankheit „Rauchen“ und somit ihrer Abhängigkeit. Raucher haben ein mehrfach erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Eine Vielzahl unterschiedlicher Krebsarten, akute und chronische respiratorische Erkrankungen wie COPD und Asthma und kardiovaskuläre Krankheiten gehen mit dem Genuss des blauen Dunstes einher. In Österreich versterben jährlich 14.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.
Auswege aus der Sucht
Ein fester Entschluss, Motivation und Durchhaltevermögen sind die ersten wesentlichen Schritte in Richtung erfolgreiche Raucherentwöhnung. Wichtig ist dabei, die Unzufriedenheit und Zweifel hinsichtlich eigenem Rauchverhalten nicht zu ignorieren, sondern aktiv auf die Symptome der Abhängigkeit zu reagieren und Hilfe zu suchen. Zur Unterstützung des eigenen Vorhabens sind Familie und Freunde, besonders aber ärztliche Hilfe gefragt und zielführend. Durch eine professionelle Begleitung und Beratung des Arztes können mögliche Ängste und Irrglauben beseitigt werden. Je nach Bedarf steht bei körperlichen Beschwerden und Entzugserscheinungen auch medikamentöse Unterstützung zur Verfügung. Mit Hilfe des ärztlichen Know Hows und der medikamentösen Therapie steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit einer langfristigen und dauerhaften Raucherentwöhnung maßgeblich an. Nur 3-5 Prozent der Raucher, die ohne Hilfsmittel aufhören, sind nach 6 bis 12 Monaten noch rauchfrei.2
In Österreich wird die ärztlich begleitete Raucherentwöhnung und medikamentöse Behandlung von den Krankenkassen nicht finanziert. Obwohl die Finanzierung dieser Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit maßgeblich beitragen würde, wird das Rauchen bis heute von der österreichischen Sozialversicherung nicht als Krankheit anerkannt. Die von Rauchern oftmals genannten hohen Kosten der ärztlichen und medikamentösen Therapie scheinen als Argument gegen eine begleitete Raucherentwöhnung dennoch fragwürdig. In der Gegenüberstellung von Zigarettenkosten und Therapiekosten sind letztere auf Dauer gesehen verschwindend gering und durchaus vernachlässigbar.
In Österreich gibt es rund 350 zertifizierte Ärzte, die eine Raucherberatung und -entwöhnung anbieten.
Eine Liste der auf Raucherentwöhnung spezialisierten Ärzte können Sie unter
office@science-relations.at anfordern.